Australien – Tag 36
Roadtrip Tag 23, Hahndorf
Adelaide ist schön. Nix besonderes und ist ganz sicher auch keine Stadt, über die man später sagt: „Wow, was für eine Stadt!“. Adelaide ist eine graue Maus, aber eine schöne graue Maus. Deshalb machen wir uns heute auf den Weg ins etwa 30 Kilometer entfernte Hahndorf in den Adelaide Hills.
Hahndorf
„Hahndorf“, das klingt so gar nicht nach einem australischen Ort. Isses auch nicht. Hahndorf wurde 1839 von deutschsprachigen Lutheranern gegründet, die aus religiösen Gründen in Preußen verfolgt wurden und nach Australien flohen. Die Siedler benannten das Dorf nach Kapitän Dirk Meinerts Hahn, der sie auf dem Schiff Zebra nach Australien brachte.
Hahndorf ist Australiens älteste noch bestehende deutsche Siedlung. Heute leben dort noch 463 deutschstämmige, was einem Bevölkerungsanteil von 15,1% entspricht.
Soviel zu den nackten Fakten. Hahndorf ist ein auf den 1. und 2. Blick sehr idyllisch gelegenes, urig wirkendes Örtchen, dessen Hauptstraße von Bäumen und traditionellen, zum Teil restaurierten Fachwerkhäusern gesäumt ist. Wir haben schon lange nicht mehr so viele Deutschlandfahnen gesehen – auch und gerade nicht in Deutschland selbst. 😅 Es fühlt sich für uns seltsam an, durch Hahndorf zu schlendern und zu erfahren, dass der Ort jährlich eine Million Besucher anzieht und damit die meistbesuchte Touristenstadt Südaustraliens ist. Die Menschen erfreuen sich an deutscher Kultur, wie Musik, Essen, lokal produziertes Bier und (Glüh-)Wein aus in der Umgebung gelegenen Weinkellereien, oder – natürlich Kuckucksuhren. 😅 Warum es sich für uns seltsam anfühlt? Weil gerade auf der anderen Seite der Welt , die Deutschen diese Kultur gerade aufgeben. Wenn man eine Deutschlandfahne aufhängen würde, würde man als Nazi abgestempelt, oder zumindest seltsam angeschaut. In Restaurants in Deutschland findet man eher Pizza, Falafel, Döner oder Hamburger, als Nürnberger Würstchen mit Kartoffelpüree und Sauerkraut. Und genau das haben wir im Hahndorf Inn mal wieder gegessen.
Die große Pappnase würde sich wünschen, dass es gelingt, wenigstens hier ein bisschen von der deutschen Kultur zu retten, aber bei genauem hinsehen erkennt man auch hier, dass schon erste Buden mit asiatischem Essen eröffnen und kleine Lokale, wie das von Heidi und Annette geführte Cafe schließen, weil die Besitzerinnen in Ruhestand gehen und kein Nachfolger in den Startlöchern steht. Traurig
So bleibt nach unserem Besuch in Hahndorf vor allem für die große Pappnase, ein wehmütiges Gefühl zurück.