Der mondäne Badeort Sopot
... und eine (für Deutsche) verwirrende Beflaggung.
Dass der Deutsche an sich ein Problem mit seiner Geschichte hat, wird uns an diesem Tag ganz eindrücklich vor Augen geführt.
Mit der super-sauberen und modernen Regionalbahn fahren wir von Danzig ins knapp 30 Minuten entfernte Küstenörtchen Sopot. Uns wird wieder mal vor Augen geführt, wie sehr Deutschland schon ins Hintertreffen geraten ist, wenn uns die Sauberkeit, Pünktlichkeit und Modernität der polnischen Regionalbahnen so sehr beeindruckt. Auch die Fahrgäste fallen uns mit ihrem Verhalten auf – sie sprechen miteinander. 😳😅 In deutschen Verkehrmitteln sitzt man schweigend und abgekapselt über sein Mobiltelefon gebeugt. Hier sitzen die jungen Leute zusammen und unterhalten sich in der Mehrheit angeregt. Wir vermuten, wir sind nicht in einen profanen Zug, sondern in eine Zeitmaschine gestiegen. Wir fühlen uns ins Deutschland der 80er Jahre zurückversetzt.
Dass unsere Zeitreise noch nicht beendet ist, ahnen wir noch nicht.
Der deutsche Schuldkult und eine Lehrstunde in Geschichtsbewältigung
Sopot ist ein wirklich schöner, kleiner Ort mit einer langen Küstenpromenade und wer Danzig besucht, sollte Sopot nicht auslassen. An diesem Tag stiehlt allerdings der Umgang der Polen mit ihrer und unserer Geschichte dem Badeort die Show.
Wir bummeln so über die mit 511 Metern längste Seebrücke Europas, als uns schon von weitem eine sehr bekannte Beflaggung am Ende der Brücke ins Auge sticht. Zunächst trauen wir unseren Augen nicht, aber mit jedem weiteren Meter wird uns klar, dass wir ganz offensichtlich nicht spinnen. 😅
Befänden wir uns auf einem Pier in Deutschland, würden Hubschrauber über unseren Köpfen kreisen, Scharfschützen würden in Stellung gehen, die Mainstream-Medien bekämen Schnappatmung und mehrere schwerbewaffnete Hundertschaften der Polizei würden die Seebrücke stürmen – und das einfach nur wegen ein paar Flaggen. 😂
Dass es auch anders geht, erleben wir gerade selbst. Die große Pappnase kommt sich als 1,90 m langer, blonder, blauäugiger, deutscher Mann, im Anbetracht der Situation ein wenig seltsam vor. Doch warum eigentlich? Wenn gerade die Polen mit diesem Thema so entspannt umgehen können – und dafür gebührt ihnen unser allergrößter Respekt -, warum können die Deutschen es dann nicht?
Es ist ja auch nicht so, dass sich die Fahnen nur am Pier befinden – wir haben zwei Boote gesehen, an denen ebenfalls eine Hakenkreuzfahne wehte.
Wir finden gut, wie gerade hier mit diesem Thema umgegangen wird. Wir haben Teenager gesehen, die sich Grimasse schneidend und Stinkefinger zeigend vor die Fahnen stellen. Es dürften im Nachgang viele Besucher über die Vergangenheit nachgedacht und gesprochen haben und halten damit die Schrecken dieser Zeit lebendig. In Deutschland werden diese Themen wegen des Schuldkults totgeschwiegen und nur eine Minderheit ist sich der Folgen von Hetze und Propaganda bewußt – wie die neue Kriegsgeilheit der Deutschen im Jahr 2024 deutlich beweist.
Wieder zurück in Danzig führt uns unser erster Weg ins Kartoffelhaus Bar Pod Rybą. Schon wieder. Aber es schmeckt halt auch so verdammt lecker…