Der Tag startet auf unserer Lieblings-Aussenterrasse mit dem Frühstück und Ausblick auf Palmen und strahlend blauen Himmel. Vor dem Hotel wartet ein knallrotes Chevrolet Deluxe Cabrio, Baujahr 1949, welches damals für schlappe 1857$ Dollar zu kaufen war und heute wohl unbezahlbar ist. 😅
Für unseren ersten Ausflug nach Havanna nehmen wir uns eine Führerin (als Deutsche steht man auf Führer) mit Namen „Melissa“ und Juan, der Fahrer des amerikanischen Schmuckstücks auf vier Rädern. Melissa spricht ein fast perfektes Englisch.
Als erstes Ziel steuern wir Ernest Hemingways Haus an. Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel, dem Plaza de la Revolución, fällt uns zum ersten Mal auf, wie schlecht die Luft in Havanna ist. Zumindest in den Bezirken, die weiter weg vom Meer, und daher schlechter belüftet sind. Irgendwie riecht es wie in den Städten der ehemaligen DDR, morgens wenn alle gleichzeitig ihre Trabis starteten, um zur Arbeit zu fahren. Der Mief des Kommunismus halt. 😄
Melissa wollte unsere Meinung zum Plaza de la Revolución hören. Die beiden Mädels finden ihn wohl lahm. Frauen… Ich dagegen fand‘ ihn cool. Beeindruckend. Groß. Viel Platz für Aufmärsche, Machtdemonstrationen und in der Sonne glänzende US-Oldtimer. Auf der einen Seite finden sich Bildnisse von Che Guevara und Camilo Cienfuegos, auf der gegenüberliegenden Seite steht das 109 Meter hohe José-Martí-Denkmal, ein riesiges, kommunistisches Phallus-Symbol, durch das der Platz eine dekadente Männlichkeit verströmt. *Grunz*
Mittlerweile sind wir alle ziemlich durstig, was bei Temperaturen um die 33 Grad nicht verwundert. Vorbei am Museo de la Revolución und dem Capitolio, einer 5 Meter größeren Kopie des Washingtoner Capitols, führte uns Melissa in den berühmten Buena Vista Social Club, damit wir etwas trinken konnten. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass der legendäre Club mittlerweile eine typische Touristen-Falle ist und das, obwohl wir ihr auf dem Weg zum Revolutionsplatz noch gesagt hatten, dass wir in keine Touri-Lokale wollten, sondern uns unter die Kubaner mischen wollen.
Ab dem Punkt hat Melissa bei uns schon zu 50% verspielt. Die letzten 50% sollte sie später auch noch schaffen…
Weiter geht es zur Floridita Bar, Hemmingways und Fidel Castros Lieblingsbar und Geburtsstätte des berühmten Daiquiri-Cocktails. Der Schuppen ist natürlich gerammelt voll und trotzdem findet sich in einer Ecke noch knapp 2 Quadratmeter Platz für die obligatorische Salsa-Band. 😅
Dagegen hat die Hemingway-Statue an seinem Lieblingsplatz am Tresen schon fast verschwenderisch viel Platz.
Von der Floridita Bar laufen wir über die Calle Obispo durch Havannas Altstadt zum Plaza de Armas, wo uns Melissa, die Kunst und Geschichte studiert hat, ausführlich über die umgebenden Gebäude und der bewegten Geschichte Havannas berichtet.
An der belebten Flaniermeile liegt auch das Hotel „Ambos Mundos“, in dem Hemingway von 1932 bis 1939 lebte.
So weit, so 50% gut. 😋
Als ein kleiner Regenschauer aufzieht, wittert Melissa ihre Chance und versucht den doofen Touris aus Deutschland zu erzählen, dass der Regen apokalyptisch wird und die nächsten drei Wochen auch nicht mehr enden wird. Mindestens.
Zur Untermauerung ihrer fantasievollen Behauptung hält sie uns die Wetter-App ihres Handies unter die Nase.
Na gut, wir haben verstanden. Wir sind ja nicht so doof wie sie denkt. Es ist schon 15:00 Uhr und das Mädchen möchte – kommunistisch korrekt – um 16:00 Uhr Feierabend haben. Und – ZACK -, da waren die letzten 50% auch verspielt. 😄
Uns haben die vielen Eindrücke und die Temperaturen eh ein wenig müde gemacht, also widersprechen wir nicht und machen uns im strömenden Regen auf den Weg zum Hotel. Immerhin machen wir so mal die Erfahrung, wie sich ein tropischer Regenguss in einem Auto aus den 50ern anfühlt. 😅
Übrigens konnten wir keine 20km später schon wieder das Dach öffnen. Soviel zum apokalyptischen Regen… 😜