Wir lassen uns um 7:30 Uhr von Hari am Hotel abholen. Um 6:27 Uhr schickt uns Hari eine Nachricht, in der er uns mitteilt, dass wir irgendwann einen einstündigen Halt einlegen müssen, weil sein E-Auto geladen werden müsste. Na toll, hätte er das nicht schon gestern sagen müssen? 😩
Den beiden Security-Männern unseres Hotels fällt bei der Abfahrt auf, dass Haris‘ E-Auto hinten rechts zu wenig Luft im Reifen hat und machen ihn ausdrücklich darauf aufmerksam. Also halten wir kurz nach Abfahrt erstmal an einem ATM (wir müssen Hari Bar bezahlen) und wenige Meter weiter lässt Hari unter den jetzt schon genervten Augen der hübschen Pappnase den Reifen abbauen und kontrollieren. Dann halten wir 10 Minuten später gleich nochmal, weil wir ein Mautticket benötigen. Die hübsche Pappnase zischt leise – wie ein Teekesselchen – vor sich hin. 😅
Als wir die Hügel des Kathmandu-Valleys überwinden, sehen wir in der Ferne den ersten riesenhohen, schneebedeckten Berg des Himalaya. Der großen Pappnase entfährt bei dem Anblick ein begeistertes Lachen. Ein unglaublich majestätischer Anblick. Wir fragen Hari, wie hoch der Berg wohl ist und er antwortet ganz unberührt: „So um die 7000 Meter“.
Der Routenplaner gibt eine Fahrtzeit von 7,5 Std. bis Pokhara an – für 200 Kilometer! 😳 Zu Anfangs können wir uns nicht vorstellen, welche Zustände dazu führen sollen, dass man derart lange für diese paar läppischen Kilometer brauchen sollte. Hey, das ist immerhin eine Straße zwischen zwei Städten! Schon nach 50 Kilometern, beziehungsweise knapp über 2 Stunden, haben wir allerdings ein präzises Bild. 😅
Ungefähr 160 der 200 Kilometer sind eine Baustelle. Die Straße wird gerade ausgebaut. Und so hüpfen wir einen Großteil der Strecke von Schlagloch zu Schlagloch. 😅 Dabei ist die uns umgebende Landschaft großartig. Wir sehen zwar keine 7000er mehr, weil sich die „Straße“ durch Täler schlängelt, aber das uns umgebende saftige Grün, das Treiben in den Ortschaften, der reißende Fluss, dessen Ufer die Straße folgt, lassen vergessen, dass wir auf einem deutschen Feldweg schneller vorankämen. 😄 Interessant sind die Wohnhäuser der Ortschaften. Sie sehen sehr modern, bunt und sehr einladend aus, wie sie sich in die Hügel schmiegen. Die große Pappnase kann sich gut vorstellen, dort mal ein paar Monate zu verbringen. Die Ruhe, die Aussicht, die Bananen im Garten pflücken zu können… Es muss herrlich sein. Moment! Bananen? Jip! Wir wussten auch nicht, dass hier Bananen wachsen. Man denkt ja, dass es in Nepal – so nah am Himalaya – eher kühl sein muss. Nö. Sogar im Winter soll es hier um die 20 Grad warm sein, Haris meint, dass es auch schonmal Frost und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt geben kann, das wäre aber sehr selten. Und wir glauben ihm, wenn wir unser heizungsloses, einglasig befenstertes Hotelzimmer anschauen.
Restaurant Three Sister Thakali
Man sieht hier überraschend viele E-Autos und entsprechend viele Ladestationen. Gefühlt sogar mehr als in D. Trotzdem sucht Haris fast schon verzweifelt eine Ladestation seines Anbieters. Die erste Ladestation, an der wir halten, will nicht so recht funktionieren. Wir setzen uns in ein kleines Cafe hoch über dem Fluss mit einer schönen Aussicht und nehmen ein paar kühle Drinks. Nach circa 20 Minuten gibt Haris auf – er bekommt aus der Ladebox keinen Strom heraus. Ein paar Kilometer weiter versucht er es noch einmal. Diesmal erfolgreich. Wir warten im Auto, beobachten das Treiben. In der Werkstatt nebenan noch einmal Luft in den Reifen tanken und weiter geht’s. Die hübsche Pappnase ist mittlerweile genervt – für solche Abenteuer benötigt man Geduld – nicht gerade ihre Stärke. 😅
Am späten Nachmittag sind wir in Pokhara. Mittlerweile ist auch die große Pappnase von Haris‘ Fahrstil genervt. Nicht nur das ewige, sinnlose gehupe an Stellen, wo ein warnendes Hupen so gar keinen Sinn macht, zerrt an den Nerven. Zudem fummelt er im eh schon abenteuerlichen Verkehr, dessen Regeln wohl nur Einheimische verstehen, laufend am Handy herum. Dass er unverständliche mantraartige Dinge vor sich hinmurmelt, lässt uns rätseln, ob er irgendwann zwischen Kathmandu und Pokhara seinen Verstand verloren hat – wundern würde es uns nicht. 😂
Egal, Haris ist ein Guter. Etwas schräg und nicht der beste Autofahrer, aber ein guter Mensch. So nimmt er die vereinbarten umgerechnet 110€ ungezählt entgegen. Selbst auf die Frage der großen Pappnase hin, lehnt er ab, das Geld nachzuzählen. Wir machen noch ein gemeinsames Foto und sprechen ab, dass wir uns für die Rückfahrt einen Tag vorher melden und schon macht er sich auf den langen Rückweg. Komm gut Heim, Haris.
Hotel Pristine Himalaya
Auf den ersten Blick sind wir von unserem Hotel nicht sehr begeistert. Die hübsche Pappnase zieht Vergleiche mit dem Hotel aus dem Film „Shining“. 😅 So ganz unpassend ist das nicht – auch wir scheinen die einzigen Gäste zu sein und auch unser Hotel liegt hoch auf einem Berg ääääh Hügel. Das Zimmer ist allerdings eine Wucht. Einfach ausgestattet, mit – zumindest in unserem Zimmer – schlechtem Internet, aber mit einer unvergleichlichen Aussicht. Nach all den luxuriösen Hotelzimmern der letzten Wochen, müssen wir uns erstmal wieder auf ein einfacheres Level umstellen. Aber verdammt – die Aussicht ist es wert! 😃 Erschöpft und unter der Geräuschkulisse des prasselnden Regens liegen wir schon um 20:15 Uhr im Bett.
Fun fact: Das am Morgen noch saubere Hemd der großen Pappnase, ist am Abend an der linken Schulter, durch den durchs geöffnete Seitenfenster hereinströhmenden Staub ganz schön dreckig geworden. 😆