Wie immer, ist die große Pappnase schon früh wach. Irgendwas mit einer 4 vorne. Die Sonne geht gerade auf. Es ist bewölkt, aber schon mit bloßem Auge kann man die Umrisse der Berge des nahen Himalaya sehen. Wow!
Bei klarem Wetter muss die Aussicht umwerfend sein. Jetzt, zur Regenzeit ist wohl nicht wirklich, oder nur mit viel Glück damit zu rechnen, dass wir einen klaren, wolkenlosen Tag erwischen. Schade.
Aber es ist überraschend warm. Gefühlte 30 Grad über Tag. Von unserem Zimmer aus könn(t)en wir die nur knapp 30 Kilometer entfernten Annapurna-Berge sehen. Wenn dir der Name „Annapurna“ bekannt vorkommt, hast du vermutlich den Film „Die Braut, die sich nicht traut“ mit Julia Roberts gesehen. Einer ihrer Verlobten wollte in den Flitterwochen mit ihr zum Annapurna. (Hier Link zu einem YouTube Video) Na gut, ist ja aus Gründen nix draus geworden… 😄
Sarangkot Panchamukhi Ganesh Temple
Maya, die Inhaberin unseres Hotels, zaubert uns ein wirklich ungeheuerlich gutes Frühstück. Einfach, aber ein Knaller. Wir unterhalten uns ein wenig und als wir sagen, dass es wohl unglaublich toll sein muss, den Himalaya ohne Wolken sehen zu können, fragt sie uns, ob wir nicht Lust hätten, einen Flug machen. Es gibt 15-minütige (so nah ist der Himalaya! 😃), 30-minütige und 60-minütige Optionen. Wir schauen uns kurz an und entscheiden uns für die 30-minütige Option. Maya wird uns per WhatsApp Bescheid geben, wenn ein Zeitfenster mit gutem Wetter absehbar ist.
Im Anschluss ans Frühstück spazieren wir ins Dorf, an dessen Rand unser Hotel liegt. Es ist zwar schon 9:30 Uhr, aber das Dorf wirkt noch sehr verschlafen. Die tief hängenden Wolken verstärken die Atmosphäre noch. Wir möchten hoch zum Sarangkot Panchamukhi Ganesh Temple. Vor einem Restaurant sitzen drei Einheimische, die uns auch prompt fragen, ob wir zum Sarangkot Panchamukhi Ganesh Temple möchten. Wir bejahen, sie weisen uns den Weg die laaaaangen Treppen hoch oder alternativ über einen betonierten Weg. Wir wählen den betonierten Weg. Nicht so gut für die Po-Muskulatur, aber bequemer. 😆
Das Tempel-Gelände ist schön gemacht. Es gibt sogar ein Restaurant mit toller Aussicht, Terrasse und einer Hängematte. Sehr cool. Der Blickfang der Tempel-Anlage ist eine riesig große, goldene Shiva-Statue. Den hohen Aussichtsturm braucht’s unserer Meinung nach nicht wirklich. Die ganze Anlage liegt auch so schon hoch genug.
Green View Restaurant
Eine der drei Einheimischen, die uns den Weg zum Sarangkot Panchamukhi Ganesh Temple gwiesen haben, hat uns gefragt, ob wir nachher in ihr Restaurant kommen wollen. Wir sagen zu, sie freut sich. Aber auf eine ehrliche, erleichterte Art. Sie strahlte förmlich, als wir zusagen. Na klar, das können wir auch gut verstehen. Das ganze Dorf lebt scheinbar vom Tourismus und gerade ist Nebensaison. Wir sind in unserem Hotel die einzigen(!!!) Gäste. Es ist hier wahrscheinlich gerade nicht leicht, über die Runden zu kommen. Und wir hören immer wieder, wie schwer die Zeit der großen Corona-Blödemie für die Menschen hier war. Sie knabbern vermutlich noch hart an den Folgen.
Die Amerikaner haben ein schönes Sprichwort: „Living is giving“. Wir reisen einfach nur aus Jux und Dollerei und den Planeten. Monatelang. Solange wir können, geben wir und uns geht es noch immer gut genug. Vielleicht ist es Karma. Eine Prüfung. Gehören wir zu diesen herzlosen, kalten Egoisten, die nur an sich denken und das Geld aus der Gesellschaft abziehen, worunter wieder nur die Schwächsten leiden?
Wir setzen uns auf die Dachterrass des Green View Restaurant. Die Aussicht ist toll. Wir schauen auf die Seilbahn. Während der Zeit, wo wir auf der Dachterrass sitzen, ist keine Gondel besetzt. Nein, es läuft gerade wirklich nicht gut im Dorf.
Gegen Nachmittag kehren wir nochmal zum Restaurant zurück. Diesmal essen wir auch einen Snack. Die hübsche Pappnase bestellt sich die „Veggie Rolls“ und sie schmecken h-e-r-v-o-r-r-a-g-e-n-d! 😃
Am Abend fragen wir Maya, ob sie uns die wahnsinnig leckeren Kartoffeln vom Frühstück noch einmal zubereiten würde. Vielleicht sogar mit einem Spiegelei? Sie sagt ja. Während wir auf der Terrasse des Hotels Mayas Essen zu uns nehmen, kommt Mayas Tochter vorbeigelaufen. Sie trägt eines dieser wunderbaren, für Asien typischen, bunten Kleider. Die hübsche Pappnase macht Mayas Tochter ein Kompliment, die Tochter freut und bedankt sich und kommt ein paar Augenblicke mit einem gleichen Kleid zurück und fragt, ob es die hübsche Pappnase für 1200 Rupien kaufen möchte. Das Kleid war eigentlich für ihre ältere Schwester gedacht, aber sie könnte ihrer Schwester ja ein Neues besorgen. Das Kleid steht der hübschen Pappnase hervorragend. Wir geben 1500 Rupie (keine 10€) und alle sind glücklich.
Shubh Raatri Nepal, das war ein guter Tag.
Nachtrag: In dieser Nacht haben wir übrigens erlebt, was ein echter Monsun eigentlich ist. 😅 Mein lieber Mann, da hat’s vom Himmel runtergemacht, dass das Wasser unter der Balkontür unseres Zimmers durchlief und wir eine große Pfütze hatten. Auch die Bettdecke ist von oben feucht geworden, weil wir mit leicht geöffnetem Fenster geschlafen haben. Krass.