Auf dem Weg zum Frühstück werden wir von einigen Mitarbeitern des Personals seltsam angeschaut. Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass die große Pappnase eine kurze Zündschnur hat, wenn er müde ist. 😅
Der Lotustempel
Nach dem Frühstück bestellen wir uns ein Taxi. Wir wollen uns Delhi/Neu Delhi anschauen. So lernen wir Vishwa Deep kennen – unseren Taxifahrer, der eigentlich fürs Hotel fährt. Eine Ganztagestour kostet 4700 Rupien – umgerechnet ca. 47€.
Unser erstes Ziel ist der Lotustempel. Am Eingang werden Frauen und Männer in zwei Warteschlangen getrennt. Richtig so. Männer haben wichtigeres zu tun, als darauf zu warten, bis die Handtaschen der Ladies endlich durchsucht sind. 😁
Schon auf dem sehr schönen Gelände des Lotustempels fällt der großen Pappnase auf, dass er von den anderen Tempel-Besuchern schon wieder komisch angeschaut wird. Sollte sich seine kurze Zündschnur schon rumgesprochen haben??? 😳😆 Nein, das kann nicht sein, es muss einen anderen Grund geben.
Um den Lotustempel von innen sehen zu können, muss man sich die Schuhe ausziehen. Okay, das kennen wir schon, aber schon 100 Meter vorher? Das ist neu. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch und es ist eh sehr warm, die Schuhe auszuziehen, ist eine – wenn auch kleine – willkommene Abkühlung. Das Tempelinnere ist nicht sehr spektakular, wenn er auch sonst sehr schön anzusehen ist.
Draußen wird die große Pappnase zum ersten mal von zwei jungen Männern angesprochen, die ihn bitten, ein Foto zu machen. Das passiert uns auf Reisen ja häufiger. Und die hübscheste Pappnase hat schon große Erfahrung, wie man andere Touristen vor einer Sehenswürdigkeit ideal in Szene setzt, aber diesmal ist es anders: die jungen Männer wollen nicht, dass wir ein Foto von ihnen machen, sie möchten ein Foto von sich mit der großen Pappnase! Verrückt! 😄
Lodi-Gärten und ein Kaffeefahrt-Alarm
Auf dem Weg zu den Lodi-Gärten biegt Vishwa, unser Fahrer, kurz nachdem wir beim Lotustempel losgefahren sind, unvermittelt in eine Straße ab und hält vor einem Einkaufszentrum. Ein Mann kommt ans Auto und will uns in die Mall locken. Kaffeefahrt-Alarm! Aber oberste Kajüte! Die große Pappnase macht unserem Fahrer eine deutliche Ansage (Vishwa hat wohl noch nicht von der kurzen Zündschnur gehört) und wir lassen den Kaffeefahrten-Mall-Verkäufer mit einem dummen Gesicht stehen.
Vishwa ist nach dem Vorfall sehr still. Wir fühlen uns an die Situatiion in Dubai, im Jahr 2017 erinnert, als wir einem Taxifahrer zu unrecht verdächtigten, einen großen Umweg zu fahren. Als wir ihm an den Lodi-Gärten umgerechnet 5€ Trinkgeld – einen halben Tagesverdienst – in die Hand drücken und ihm erklären, dass wir solche Überraschungen wie mit dem Einkaufszentum nicht mögen, entschuldigt er sich nachdrücklich und ist sichtlich froh, dass wir ihm die Sache nicht übel nehmen. Er erklärt uns, dass er selber überrascht war und den Job noch nicht lange macht.
Die Lodi-Gärten sind ganz nett, aber sollte man sie gesehen haben? Puh, das muss jeder selbst entscheiden, wir würden wohl eher nicht nochmal hinfahren. Da schaut man sich wohl besser das Safdarjung-Mausoleum oder/und das Humayun-Mausoleum an.
India Gate
Das India Gate liegt auf dem Weg zum nächsten Ziel, wird also auch mal aus der Nähe angeschaut. Das Tor ist auch beeindruckend, weil groß, die echte Überraschung ist für uns aber, dass wir förmlich bestürmt werden, als sich die große Pappnase zusammen mit einem Inder fotografieren ließ. Unfassbar. Wir fühlen uns wie im Zoo. 😄
Die große Pappnnase hat ähnliches zuletzt vor 30 Jahren in Ghana, beim Besuch einer Schule im Urwald erlebt. Das große blonde Menschen selbst heute noch so fremd wirken können, dass man sich mit ihnen fotografieren lassen möchte, ist auf eine sympathische Art irgendwie skurril.
Das Rote Fort
Das Rote Fort im Norden Neu Dehlis ist unser letztes Ziel des Tages. Auf dem sehr sehr vollen Parkplatz spricht uns ein netter Inder an und fragt, ob wir ins Fort möchten, oder eine Tuk-Tuk Fahrt mit ihm durchs ans Rote Fort angrenzende, alte Delhi machen möchten. Er nennt uns seinen Preis und wir sagen ihm zu. Hey, für 5€ kann man nicht viel falsch machen, oder?
Was in den nächsten knapp 30-45 Minuten folgt, sprengt unsere Sinne. Wir sind praktisch kurz vorm Overload-Bereich 😅 Man kann es nur schwer beschreiben, aber dieses Gewusel, die Geräusche und Düfte, das Geschaukel durch die schlechten Straßen und die Enge und Geschwindigkeit, mit der die anderen Tuk-Tuks, Autos, Busse und Roller an uns vorbeipreschen ist unglaublich. Und trotzdem winkt man uns freundlich in die Kamera – wenn man sie denn so schnell überhaupt sieht. 😂
Als wir wieder auf dem Parkplatz sind, wissen wir drei Dinge: die 5€ waren sehr sehr gut investiert, wir würden all die Eindrücke vermutlich nie mehr im Leben verarbeiten können und das Rote Fort schaut man sich am besten NICHT an einem Wochenende an. NIEMALS! AUF KEINEN FALL! 😅
Der sympathische Tuk-Tuk Fahrer zeigt uns auf dem Rückweg nämlich warnend die unglaublichen Menschenmengen, die sich durchs Fort schieben. In dem Moment beschließen wir, dass wir für einen Tag mehr erlebt haben, als wir erwartet haben und das Rote Fort später noch einmal besuchen wollen. Jetzt möchten wir eigentlich nur noch in der ruhigen und kühlen Hotelbar ein paar Drinks nehmen und danach unter die Dusche. 😅
Was für ein Tag.