Heute geht die Reise weiter nach Jaipur. Doch zuerst heißt es Abschied nehmen, von dem Hotel und den Menschen die uns in den letzten fünf Tagen so sehr ans Herz gewachsen sind.
… wobei mit „Hotel und den Menschen“ das Interior und die Mitarbeiter gemeint sind. Die Gäste waren – bis auf wenige Ausnahmen – auch hier eine Katastrophe. Inder sind seltsam. Sie sind ausgesprochen freundlich und höflich und doch rücksichtslos. Das merkt man besonders, wenn sie am Wochenende die Hotels stürmen. Dann wird bis in die Puppen gefeiert und gesoffen*, die Türen geknallt, auf den Fluren laut gesprochen und der Room-Service gerufen, der dann nach ewig langem klingeln (das dann die Gäste in den umher liegenden Zimmern auch weckt) wieder abzieht, ohne die Bestellung losgeworden zu sein.
Wie auch immer, wir haben dem rot-berockten Chef des Restaurant-Teams gestern Abend umgerechnet 30 Euro für das Team gegeben, weil sie so einen guten Job machen und wir sie so gut leiden können – und wir haben das Gefühl, sie uns auch.
So kommt dann heute der Chef des Restaurant-Teams zu uns an den Tisch und überreicht uns eine ganze Dose von den hervorragenden Doubletree-Cookis. Wie lieb ist das bitteschön? 😍
Das ist aber noch nicht alles. Als wir am Front-Desk auschecken, überreicht uns das nicht minder liebe Team eine kleine Marmor-Kachel mit dem Blumen-Ornament des Taj Mahals. Wir haben Tränen in den Augen. 🥹 Jetzt könnte man denken: „Jaja, kriegt euch wieder ein, das machen die mit jedem Kunden!“. Nein, machen sie nicht! Wir haben oft genug in der Lobby gesessen und Gäste kommen- und gehen sehen. Sowas machen sie nicht mit jedem Gast. Deshalb und wegen des sehr guten Essens und wegen des sehr guten Service und überhaupt bekommt das Doubletree Hilton in Agra von uns eine Hotel-Empfehlung.
Isra, der Fahrer, der uns nach Jaipur bringt, ist zu beginn ein sehr sympathischer und smarter Typ. Wir mögen ihn sofort. Doch das sollte sich ändern.
Ungefähr auf der Hälfte der rund 240 Kilometer langen Strecke fragt er uns, ob wir bei Ankunft in Jaipur auch eine Stadtrundfahrt haben möchten. Wir bedanken uns freundlich, lehnen aber ab, weil wir den Abend in Ruhe im Hotel verbringen wollen – zumal es der großen Pappnase mittlerweile gar nicht mehr so gut geht.
Einige Kilometer weiter fährt Isra unvermittelt von der Straße ab und steuert ein Restaurant an. Wir wissen natürlich sofort Bescheid. Kaffee-Fahrt Alarm! Mal wieder. Wir spielen aber mit, weil die große Pappnase im Rückspiegel schon gesehen hat, dass Isra wohl ziemlich müde ist. Er schwafelt noch irgendeinen Blödsinn, den wir uns aber nur noch mit einem Ohr anhören, denn mit DER Tour hat er komplett verkackt.
Sehr zum Missfallen des Restaurantbesitzers, bestellen wir nur eine Sprite und ein Bier – wir haben zwei Stunden zuvor schließlich erst fürstlich gefrühstückt. Als wir ausgetrunken haben und die Restrooms besucht haben, wollen wir aufbrechen und scheuchen Isra auf. Wir erklären ihm kurz nach Abfahrt, dass wir viel reisen und fast jeden Trick kennen und er mit dieser Nummer einen großen Fehler gemacht hat. Sein Trinkgeld hat er damit verspielt, denn das hat jetzt der Restaurant-Besitzer. 😄
In Jaipur, in unserem nächsten Hotel, dem Holiday Inn angekommen, drücken wir ihm dann doch noch 100 Rupie in die Hand und verabschieden uns kurz und knapp.
*Das mit dem Saufen ist nur eine Vermutung, denn anders lässt sich das Verhalten nicht erklären – außer vielleicht noch mit Drogen.