Unser ausgesprochen guter erster Eindruck von gestern wird sich heute bestätigen. Sollte sich der Westen in Dekadenz und Wohlstandsverwahrlosung selbst zerlegen – Kathmandu könnte ein Ort sein, wo wir es echt aushalten könnten. Wir hätten es nicht erwartet, aber die Menschen hier sind NOCH liebenswürdiger als die Inder. Einfach, weil sie ruhiger sind. Indien ist laut. Und wuselig. Und man merkt deutlich, dass sie im Aufbruch sind. In ein paar Jahren werden deutsche Kinder in Indien studieren und arbeiten wollen – nicht umgekehrt. Aber hier hat man den Eindruck, hier ist man schon einen Schritt weiter. Wir haben weder von Nepal noch Indien genug gesehen, um uns eine umfassende Meinung zu bilden, aber Nepal wirkt auf dem ersten Blick wie der kleine, große Bruder von Indien.
Über unser Hotel können wir uns definitiv schon eine Meinung bilden. Es ist sehr sehr gut. Auch hier merkt man den Unterschied zu Indien – es ist sehr ruhig hier. Kein lautes, rücksichtsloses Sprechen auf dem Flur, kein Türenknallen. Das Frühstück ist super und auch der Frühhstücksraum wirkt sehr schön und entspannt mit seinem lichtdurchfluteten Innenraum. Uns gefällt es hier, merkt man, oder? 😄
Nach dem Frühstück brechen wir auf zum Durbar Platz. Noch ein kleines Schwätzchen mit dem extrem sympathischen Pförtner und Security-Mann vom Hotel, bei dem wir erfahren, dass „Tata“ soviel wie „Tschüss“ heißt und los geht’s, 3,7 Kilometer zum kulturellen Zentrum Kathmandus – dem Durbar Platz.
Seto Machhindra Nath Temple
Kurz nach dem Skywalk Tower, dessen Besuch wir uns schenken, finden wir schon den Bal Gopaleshwar, einem Tempel in einem kleinen, künstlich angelegten See im Herzen der Stadt. Über die nahegelegene Fußgänger-Brücke gelangen wir auf die Altstadt-Gasse Chittadhar Marg. Hier treffen wir auch „Rama“, einen 19-Jährigen Nepalesen, der uns anspricht. Rama spricht gutes Englisch und er wirkt sehr gescheit. Wir erfahren, dass er ein Kunst-Student ist und irgendwann auch in England und Italien studieren möchte. Uns ist klar, dass er sich ein paar Rupie verdienen möchte, aber solange er uns nicht nervt und uns ein paar Ecken zeigt, die wir sonst nicht entdeckt hätten – warum nicht?
Über die enge, wuselige und zu beiden Seiten mit kleinen, traditionellen Geschäften gesäumte Chittadhar Marg gelangen wir zu einem kleinen Platz, auf dem mehrere kleine, sehr schöne Tempel stehen. Der größte ist der Asan Dabu. Die Atmosphäre hier ist klasse. Man fühlt sich mittendrin in einer Kultur, die so anders ist als unsere. Über die auf den kleinen Platz treffenden Gässchen strömen Menschen und vor allem Roller, die gekonnt durch die Menschen zirkeln. Die kleine Pappnase hat sich noch nicht so wirklich an die – für unseren Geschmack – viel zu schnell fahrenden Roller gewöhnt, aber eines muss man den Fahrern lassen: wenn man stoisch seiner Wege geht, läuft man nicht Gefahr, mit ihnen zusammenzustoßen.
Über die „Siddhidas Marg“ – Gasse gehen wir weiter Richtung Durbar Platz. Auf halbem Weg stoßen wir auf den Seto Machhindra Nath Temple, einem sehr schön verzierten Tempel. Eines muß man den Nepalesen lassen: dieses „Tempel“ haben sie echt drauf. Uns gefallen sie auch besser als die vergleichsweise nüchternen indischen Tempel. Die Tempel hier sehen genau so aus, wie man sich Tempel im oder Nahe des Himalayas vorstellt – extrem toll und aufwändig verziert und von wunderschönen Statuen gerahmt.
Durbar Platz
Wenig später sind wir am Durbar Platz. Wir sind jetzt schon mehr als vier Kilometer gelaufen und so angenehm kühl wie erwartet, ist es in Kathmandu trotz der Höhe von 1355 Metern über dem Meeresspiegel dann doch nicht. 😅 Ein Drink käme uns sehr gelegen. Rama führt uns in ein kleines, unscheinbares, direkt am Durbar Platz gelegenes Cafe mit Namen Cafe d’Taleju. Die hübsche Pappnase bestellt ein Gorkha Bier, welches in einer monströsen 650ml – Flasche serviert wird. 😅 Rama bekommt auch eins (trinkt es aber nur halb) und die große Pappnase zischt sich gleich mal zwei Zitronen Sodas weg. Die Aussicht von der Dachterrasse des Cafe d’Taleju ist klasse – danke Rama. 👍
Im Anschluss wollen wir den Durbar Platz erkunden. Leider kann man den Eintritt nicht per Karte zahlen und wir haben nicht genügend Bargeld dabei. 😏 Eigentlich finden wir Bargeld ja super und hassen Kartenzahlungen, aber auf Reisen sind diese Karten schon praktisch. Rama führt uns zum nächsten ATM und wir gehen zurück zum Durbar Platz. Wir besichtigen das Mahendra Museum und treffen die ersten Ausländer – ausgerechnet zwei junge Männer Mitte zwanzig aus Österreich und Deutschland. 😆 Man tauscht sich kurz aus, wir erfahren, dass es Medizinstudenten sind, die ein Praktikum in Nepal machen und wir erzählen, dass wir Europa verlassen haben und im Moment auf Weltreise sind. Die Studenten fragen erstaunt, warum wir die EUdSSR verlassen haben und wir berichten über unsere Beweggründe und wundern uns nicht wirklich, warum sie uns nicht verstehen. Die armen Jungs sind zu lange zur Schule gegangen, zu links und zu gehirngewaschen, um zu verstehen, dass die EU keine gute Zukunft hat. Ja schlimmer noch: sie wissen nichts von all den Messerattacken und den Zuständen in deutschen Schwimmbädern. Sie sehen die Welt durch die Mainstream-Media-Brille Die beiden kannten Rama übrigens. Rama scheint fleissig zu sein. 😄
Vorm Museum verabschieden wir uns von Rama, geben ihm als Dankeschön 1200 Rupien (umgerechnet 8€) und lassen unseren Ausflug auf der Dachterrasse des Durbar View Restaurant mit ein paar erfrischenden Drinks ausklingen, bevor wir uns auf der Straße „Jhochhen Tol“ ein klitzekleines Taxi anhalten und für 500 Rubien (3,11 Euro) zurück zum Hotel bringen lassen.
Wat’ne coole Location – die Calm Restro & Bar
Den Absacker des Tages wollen wir ursrünglich auf der Rooftop Bar des Holiday Inns zu uns nehmen, aber dummerweise hat eine feierwütige Gruppe die komplette Dachterrasse gebucht. Wir weichen ins angeschlossene Restaurant aus. Nach einem Drink gehen wir wieder – die Klimaanlage ist uns zu kalt eingestellt. 🥶 Glücklicherweise befindet sich das Hotel in einer schönen Gegend mit vielen Restaurants und Bars, so landen wir schräg gegenüber im Calm Restro & Bar. Hat die hübsche Pappnase gut ausgesucht. Schöne Atmosphäre, tolle Live-Musik, ein Kellner, der ein paar Fetzen Deutsch spricht – guter Abschluss eines schönen Tages.